Entstehungsgeschichte

Im Februar 1978 beschloß der Rat der Stadt Göttingen, partnerschaftliche Kontakte mit einer Stadt in der VR Polen aufzunehmen. Die frühe Einsicht, daß eine Normalisierung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der VR Polen auf kommunaler Ebene einsetzen müsse, und engagierte Verhandlungen führten am 28.11.1978 zur Unterzeichnung der „Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit der Stadt Göttingen in der Bundesrepublik Deutschland und der Stadt Torun in der Volksrepublik Polen”. Vor diesem mit Mühen durchgesetzten Ergebnis der Städtepartnerschaft lagen vielfältige freie und städtische Aktivitäten wie Ausstellungen und ‚Polnische Gespräche’ in Göttingen, in denen kulturelle, politische, wirtschaftliche Themen referiert und diskutiert wurden. Es folgten ‚Polnische Kulturtage’ mit kulturellen Veranstaltungen mancher Art, an denen sich im Rahmen eines Arbeitskreises ‚Kulturstadt Göttingen’ alle Kultureinrichtungen der Stadt beteiligten.


Bildtitel: Marktplatz mit altem Rathaus, Gänseliesel und Fußgängerzone, Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Goettingen_Marktplatz_Oct06.jpg&filetimestamp=20061010164106, Urheber: Daniel Schwan


So kam es am 28.2.1979 zur Gründung der „Deutsch-Polnischen Gesellschaft Göttingen e.V.”, der ersten dieser Art in Niedersachsen. Die Gesellschaft will, satzungsgemäß, der Verständigung zwischen den Völkern der VR Polen und der Bundesrepublik Deutschland sowie der Vertiefung zwischenmenschlicher Beziehungen dienen. Mit allen Unternehmungen soll beigetragen werden zur Normalisierung des Verhältnisses zwischen den beiden Staaten, soll erreicht werden, daß Deutsche und Polen mehr voneinander erfahren, daß sie Fremdheit überwinden und über intensivierte Kenntnisse zu einer Zusammenarbeit im europäischen Rahmen gelangen. Diese Zielsetzung braucht auf beiden Seiten aufgeklärte Menschen, die einander kundig und unbefangen begegnen. Dafür wurde ein entsprechender Informations- und Veranstaltungskatalog von Vorträgen, Ausstellungen, Kulturveranstaltungen etc. selbst angeboten oder in der Zusammenarbeit mit Bildungs-, sozialen und anderen Einrichtungen vermittelt.


Angesichts der zugespitzten politischen und wirtschaftlichen Situation in Polen, der Ausrufung des Kriegsrechtes im Dezember 1981, sind Hilfsgütertransporte von Göttingen nach Thorn organisiert und durchgeführt worden. Mangelnde Lebensmittel und Gebrauchsgüter sind über die Kirchen an die Thorner Bevölkerung verteilt worden, viele Lernmittel für Kinder und Jugendliche gingen an die Schulen, die Musikschule, Bücher für das Deutsche Seminar an die Universität und Lieferungen z.B. von Medikamenten und medizinischem Gerät an die Krankenhäuser. Für weit über 10 große Transporte sind die Mittel in Göttingen gesammelt, gespendet oder z.B. durch Benefizveranstaltungen zusammengebracht worden. Die intensiven Spendenaktionen, die zur Linderung ärgster Not unverzichtbar waren, konnten auf lange Sicht keine Lösung aller Probleme bewirken. Sie sollten aber als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden und weitergeführt werden. Darum wird bis heute zur „Hilfe für Thorn” aufgerufen und jeder Bürger zugleich ermuntert, seine Kontakte nach Thorn und in andere Orte Polens nicht zu vernachlässigen. Eindrucksvoll war die Einsatzbereitschaft der Göttinger für die Opfer des Weichsel- und Oderhochwassers.


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